LANGZEITURLAUB 2007

Frankreich? - Frankreich!


Begegnungen auf dem Stellplatz in les Arcs

 


Claudia hat unsere Nelly Ninja fest in ihr Herz geschlossen


 

Claudia, (sprich: "Clodiá") so heißt die Kleine, ist von der Eingangstür nicht wegzukriegen, als wir unsere Hündchen begrüßen. Ihre Entzückungsschreie rufen sogar ihren Papa Philipe herbei, und als wir die Hunde rauslassen, stürzt sie sich sofort auf Nelly Ninja, unser rotbraunes Nesthäkchen. Liebe auf den ersten Blick, eindeutig!

Papa kommt mitsamt dem 2. Töchterchen Jessica und Mops "Luc".
Ich mache kurzerhand ein Familienfoto von den dreien, Ulla überträgt es auf ihr Notebook, bearbeitet es noch ein wenig, lädt das fertige Bild auf einen Memory Stick und Philipe druckt es in seinem Wohnmobil aus. Das ist internationale Zusammenarbeit :-). Und dabei kennen wir uns jetzt gerade mal 10 Minuten.

Fortan können wir den Platz nicht überqueren, ohne dass Claudia aus irgendeiner Richtung gelaufen kommt und Nelly Ninja umarmt. Dabei ruft sie in entzückenden italienisch-französischem Kauderwelsch irgendwelche Kosenamen.

Da die drei - nein: vier gleich neben uns stehen, ist der Kontakt fortan ganztägig.
Wir öffnen kaum die Tür, da kommt sie laut "NINIIIIE!!!" rufend angelaufen, schnappt sich Ninja und lässt sich von ihr abschlecken, während sie immer wiederholt: "Amore mia, mi 'amore!! und Sachen, die wir nicht verstehen, die aber ganz offensichtlich ganz lieb gemeint sind und auch so klingen - offensichtlich auch in Nelly Ninjas Ohren.

Papa Philipe ist passionierter Handwerker und Tüftler und immer damit beschäftigt, irgendwas zu tun. Wieso das von Bedeutung ist?
Also:
Es ist kalt in les Arcs! Unser Gasvorrat ist aber absolut beruhigend, 65 von 80 kg sind noch im Tank. Außerdem gibt's in Frankreich an den meisten Tankstellen GPL, (das steht, hab ich mich mal schlau gemacht, für "Gaz Petroleum Liquide").

Wir werden also morgens wach und es ist: saukalt. Drinnen! Draußen sowieso. Das Minimax-Thermometer verrät: Minus 1 °C war es letzte Nacht! Und das an der Cote d'Azur Ende März!
Es dauert ein paar Minuten, bis wir dahinter kommen, dass unsere beiden Solar- Bordbatterien schwächeln. Und auch die beste Gasheizung funktioniert nur, wenn sie Strom kriegt: für den Zündfunken sowie das Gebläse.

Ich ziehe mich an, geh raus und öffne vorn die Haube. Noch während ich den Kopf reinstecke stupst es mich an der Wade: Mops Luc beschnuppert mich und Philipe steht  neben mir, beide kommen gerade vom ersten Spaziergang zurück.
"Une problème?" Ich nicke und zeige auf die Batterien. Er wieder: "Kappuuute? Nixe electricité, äh strome?" Ich finde sein französisch-italienisch-deutsches Sprachgemisch putzig und mein Ärger legt sich deutlich. Wieder nicke ich, und schon bietet er mir an, dass wir uns an seinen Jockel klemmen könnten. Das wär ja nun überhaupt "keine problème!"

 


Sein Generator steht ein paar Meter weg von den WOMOs, wegen des Lärms, den sein Zweitakter fabriziert. Er lädt damit die Bordbatterien und deckt damit seinen gesamten Strombedarf, angefangen vom Fernseher, über Computer, Drucker, Fön und was sich sonst noch bis ca. 1000 W an Kleingeräten betreiben lässt.

Ich bedanke mich bei ihm, doch auf Dauer wäre das keine Lösung, wir müssten uns eh neue Batterien besorgen. Außerdem haben wir auch einen solchen Jockel mit, der allerdings die blöde Angewohnheit hat, nicht konstant zu laufen, sondern eher so wie der Motor eines an der Ampel stehenden ungeduldigen Motorradfahrers: "wwwmmm - wwwmmm - wwwmmm". Die damit einhergehenden Stromschwankungen können das Ladegerät im BABY hin machen, bei einem Staubsauger oder Fön ist das ja vielleicht wurscht.
Auch das sei kein Problem, meint Philipe. Ich soll ihm den Jockel da lassen, wenn wir losfahren, um neue Batterien zu kaufen. Kurz vor Frejus sei an der N7 ein Wohnmobilhändler, der hätte sicher die richtigen Batterien.

Unsere beiden Solarbatterien haben mittlerweile 10 Jahre auf dem Buckel, die meisten Batterien verabschieden sich normalerweise längst vorher.

 

Wir fahren also Richtung Frejus zu dem WOMO-Händler, und als hätte der auf uns gewartet, hat er genau 2 passende Batterien: 2 Stück à 100 Ah, Blei-Säurebatterien, keine Gel-Akkus. Das aber ist uns absolut egal.
Bei nachlassendem Nieselregen hilft mir der Mann beim Einbau, d.h. ich helfe ihm; nach einer knappen Stunde sind wir wieder vom Hof mit 2 neuen Batterien, etwas zusätzlicher Literatur und ca. 350,- Euro leichter. Aber:

Die Sonne scheint! Wirklich!
 

 


Strandpromenade in Frejus, links im Hintergrund der Hafen


 

In Frejus gibt es einen Stellplatz, das wissen wir aus dem Stellplatzatlas. Nur unser TomTom weiß das nicht, die eingegebene Straße ist ihm unbekannt.
Da wir sowieso kurz vor Frejus sind, suchen wir einfach auf gut Glück und finden tatsächlich auf Anhieb hin. Eher ein Wunder wenn du siehst, wie groß Frejus ist.

Der Stellplatz entpuppt sich als ein ca. 7 m breiter und ca. 80 Meter langer Streifen neben einer Straße, in der Nähe der Feuerwehr. Die Straße wiederum führt direkt zum Strand, bis dorthin sind es um die 800 m.
Aufgrund des Regens der vergangenen Tage stehen zwar noch gut knöcheltiefe Pfützen zwischen und unter den hier befindlichen WOMOs, manche so groß wie ein Vorgarten, aber die Sonne schleckt inzwischen gierig daran herum, denn es wird jetzt richtig heiß.

Direkt neben dem Stellplatz ist ein riesiges, ebenes Gelände (ein ehemaliger Flugplatz). Das hat man zu einem Freizeitpark umgestaltet; Drachen steigen, man fährt Skateboard, Inliner sind besonders "in", für die gibt's sogar eigene Fahrbahnen, jede Menge Spaziergänger ohne und mit Hunden, Jogger, Mountainbiker...
 

 

Wir schlendern bis zum Hafen. Hier ist es recht menschenleer, für uns ist das mit den Hündchen angenehm. Werden in aller Kürze mal ohne Hündchen hierher scootern - das Wetter muss aber etwas stabiler und warm sein, so wie es im Augenblick ist. Es ist inzwischen Mittagszeit, ein richtiger Franzose sitzt da beim Mittagstisch, die meisten Touristen ebenfalls.

Wir würden zwar ebenfalls gern eins der vielen kleinen Straßenrestaurants besuchen, das verschieben wir aber erst mal, bis wir per Zweirad hierher kommen.
 


am Hafen von Frejus
 

Eine knappe Stunde später sind wir wieder auf dem Stellplatz.
Nelly Ninja wird begrüßt (s.o.), Philipe kommt zu mir, zieht an meinem Ärmel und deutet sichtlich stolz auf unseren Baumarkt-Jockel: "Färtisch, gutt!"
Er zieht an der Starterschnur und schon brummt der Stromproduzent gleichmäßig wie ein Uhrwerk vor sich hin. Philipe will weder Dank noch sonst was, aber meine echte Bewunderung freut ihn sichtlich.

Ich lasse den Jockel noch eine halbe Minute laufen, dann stelle ich ihn ab und drehe den Benzinhahn zu. 
Das heißt, ich will ihn zudrehen.

Er ist ziemlich schwergängig, ich versuche es mit mehr Kraft und: ZACK! - habe ich ihn in der Hand und das Benzin gluckert aus der abgebrochenen Leitung.
"Oh là-là" kommentiert Philipe, der mich laut schimpfen hört, während ich den Jockel auf die Seite drehe, damit kein weiteres Benzin ausläuft.
"Isse kappute total...reparer non, pas possible..." Er schüttelt den Kopf, deutet auf den abgebrochenen Anschluss, spricht davon, das da nix mehr zu machen sei und schüttelt immer noch den Kopf.
Wir sind beide einig, dass ich den Jockel entsorgen werde. Eine Reparatur, das kennst du ja, lohnt sich bei einem so billigen Baumarktteil nicht.

Ich lasse das Gerät stehen wo es steht, damit es sich erst mal "entstinkt".

 

Ich weiß nicht, geht es dir manchmal auch so?

Oft erinnert mich jemand, den ich unterwegs sehe, an irgendwen, den ich kenne. Und dann kriegt dieser Mensch auch dessen Namen das ist einfacher, wenn man von ihm redet :-).

Gestern wieder: Ein WOMO kommt auf den Platz. Normalerweise steigen dann zwei Leute aus, oft noch ein Hund. Aber hier kommt nur ein Mann raus, den ich schon mal irgendwo gesehen habe:
Schwarze Hose, schwarzes Hemd, schwarze Sonnenbrille, schwarze Haare, schwarzer Hut... "Django!" entfährt es mir.

Der Mann hat also seinen Namen schon weg, da ist er kaum 10 Schritte von seinem WOMO entfernt. Er geht gemessenen, aber großen Schrittes quer über den Platz, dreht sich um, geht zurück, noch mal in gleicher Weise. Sieht aus wie die Probe für den großen Showdown. Aber ich glaube, er schreitet den Platz ab und misst dabei irgendwie dessen Größe aus.
Das war ,wie gesagt, gestern.

 

Gerade sind einige neue WOMOs eingetrudelt, die Insassen steigen aus und begrüßen Django sehr herzlich. Das wiederholt sich auch bei den nächsten 6 ankommenden WOMOs.

Der schwarz gekleidete Mann plaudert munter mit den Leuten, gestikuliert dabei ein wenig, zeigt dann auf uns und unseren Nachbarn, dreht sich um und kommt direkt auf unser BABY zu. Er klopft, ich gehe raus zum Duell...

Doch da sieht man mal wieder, wie man sich täuschen kann:

Er  fragt mich, wie lange wir bleiben wollen. Ich ziehe die Augenbrauen hoch, denn ich erinnere mich daran, dass wir die Erlaubnis haben, so lange hier zu stehen, wie wir wollen (und wir wollen noch).
Aber es ist alles ganz anders:

Django entpuppt sich als Leiter des "Caravaning Club Provence-Côte d'Azur"! Er hat ein Treffen arrangiert. Da er ca. 50 Einheiten erwartet, bittet er uns, dass wir uns noch ein Stückchen nach links stellen und etwas näher zusammen rücken, sonst bringt er nicht alle unter.
Klar machen wir das, und sehr erleichtert bedankt er sich bei uns.

Ab jetzt sind wir wie Freunde, Django und wir.
Für uns ist für heute Schicht, wir essen, machen etwas Sudoku, lesen und meinen, dass wir nach so einem Tag ein Schlückchen Rosé verdient haben.
Morgen wollen wir, wenn das Wetter okay ist, noch mal in Ruhe nach Frejus rollern.

 

 

 

===> Frejus und St. Raffael