Winterdienst? Nein Danke!!

 

Lämmerwiese

 



versteinerte Muscheln

   

Kommen wir zur Lämmerwiese, kommen wir in altvertraute Gegend. Dabei ist es hier nicht unbedingt optimal:

Du bist so ziemlich am A... der Welt; wenn du einkaufen willst, ist der Vor- oder Nachmittag hin, weil es weit ist bis Mazarrón, der nächstgelegenen Stadt mit vernünftigen Einkaufsquellen.

Der Boden ist weder gepflegte Wiese noch fester Schotterplatz, sondern eine mit mindestens faustgroßen Steinen übersäte Weide.

Ist starker Wind, pfeift dir derselbe ungebremst um die Ohren;
scheint die Sonne, fehlen schattenspendende Bäume.

Ich seh schon:
 


Du schüttelst den Kopf. Warum bist du dann überhaupt hier?

a. Weil du hier absolute Ruhe hast. Auch vor Uniformierten.
b. Weil du hier eine Aussicht hast, die ihresgleichen sucht.
c. Weil die paar Leute, die hier stehen, alle mehr oder weniger die gleichen Interessen bzw. auch Desinteressen haben.

Sie alle mögen die Ruhe und die Natur, stehen daher gern etwas abseits, halten aber mit den Nachbarn netten Kontakt und haben immer ein freundliches Wort, wenn sie vorbei kommen.
Eins mögen sie nicht: Klatsch und Tratsch.

Das wiegt alle Einschränkungen auf.
 



gegenüber liegen die Urbanización Bahia und Puerto de Mazarrón, du kommst aber nur in einem Riesenbogen über die N 332 dorthin


 

Klatsch und Tratsch mag auch ein anderer nicht: Der 'Typ Einsiedler'. Aber der übertreibt. Mag nur sich selbst, und auch da bin ich mir nicht mal so sicher.

Er platziert sein WOMO so, dass er niemanden sehen oder womöglich grüßen muss; seine Aufbautür ist zur abgewandten Seite, zusätzlich verschont ihn ein Sichtschutz vor aufdringlichen Grußworten von außerhalb. Bevor er zum Einkaufen aufbricht, "sichert" er sein Grundstück mit allerlei Gerümpel vor unerwünscht nahen Nachbarn; er fährt stur geradeaus blickend an dir vorbei, selbst wenn du grüßend die Hand hebst und ihm freundlich zunickst. Er beherzigt offenbar noch als 70-Jähriger die mahnenden Worte seiner Mutter: "Sprich niemals nicht mit Fremden!!"
Es gibt ihn, er ist also da, aber am liebsten unsichtbar.

Die meisten Menschen mögen Tiere, meist haben sie auch einen Hund an Bord; wenn nicht bei der Ankunft, dann bei der Abfahrt.
Wie man 'auf den Hund kommen' kann, dafür gibt es viele Varianten. Ein paar:

Man fischt einen ganz jungen Welpen aus einem Müllcontainer; man findet einen halb verhungert an einen Baum gebunden; man sieht eine abgemagerte Hündin mit schlaffem Gesäuge, aber mit 5 oder 6 Welpen im Schlepptau, beim Durchsuchen von Müll; man entdeckt gleich 3 Welpen, die man nach der Geburt in einen Plastiksack gesteckt und unter einen Busch gelegt hatte; du erinnerst dich vielleicht an Tille und Uli, denen war es vor ein paar Jahren so ergangen. Oder du gehst einfach in ein Tierheim, da gibt's immer Nachschub...

Die Variante, die wir diesmal erleben, ist ja im Vergleich dazu regelrecht harmlos:

 

Da kommt ein Engländer mit seinem WOMO auf die Ziegenwiese gefahren, geht von WOMO zu WOMO, im Handumdrehen ist er umringt von Leuten.
Er möchte 2 junge Hunde loswerden, die er eben erst "bekommen" hat. Und das ging so:

Irgendwann vormittags hält ein PKW in seiner Nähe und er glaubt, es sei ein Obst-/Gemüseverkäufer. Da er keinen Bedarf hat, kümmert er sich nicht weiter um das Auto und liest weiter in seiner englischen Ausgabe der Costa Blanca-Nachrichten.

Das Auto fährt weg, kurze Zeit darauf hört er draußen was jaulen, er schaut hoch und sieht einen jungen Hund. Er glaubt, der Autofahrer hat ihn Pipi machen lassen und dann vergessen, ihn wieder einzusammeln, also geht er raus, um nachzusehen.
Dabei stolpert er über einen zweiten jungen Hund. Die beiden gehören zweifellos zusammen, und dem Engländer geht ein Licht auf: Den beiden Welpen ist es ergangen wie weiland Romulus und Remus - ausgesetzt und auch bald gefunden.
Und jetzt ist der Mann auf der Suche nach einer "Wölfin" für die beiden Findelkinder, oder auch nach zwei.
Er selbst kann die Welpen nicht behalten, weil er sie nicht mit nach England nehmen kann wegen der strengen Einreisebestimmungen.

 



angeregte Diskussion über die Findelkinder und die richtige Behandlung


 

Nach einer knappen halben Stunde kann der Mann wieder fahren, die Hunde sind bei einem Ehepaar, das die Welpen zu Tille und Uli bringen will; von denen wissen sie nämlich, dass die beiden nie nein sagen würden, wenn man ihnen hilfsbedürftige Welpen bringt.

Doch bis zu Tille und Uli kommen sie mit den beiden Welpen gar nicht.
Unterwegs mit den Hündchen zur Lämmerwiese kommen sie an einem WOMO vorbei, sprechen mit den Leuten, die verknallen sich auf der Stelle in die kleine pelzige Braune - und schon hat die ein neues Zuhause.

Da das neue Besitzerehepaar mit Hunden noch keine Erfahrung hat, kommt Ulla gerade richtig, um den beiden das Nötigste in einem Crashkurs zu vermitteln.
 
Das frisch gebackene Frauchen hält mir die Kleine für ein Foto hin. Ein herrliches Hündchen, und man fragt sich, wie man so was einfach seinem Schicksal überlassen kann, denn er ist zwar kein Saugwelpe mehr, aber allein würde der niemals überleben.

 



Remus - korrekt: Rema, das Findelkind mit Wolfspelz


 


Derweil wandern die "Zwischeneltern" mit dem anderen Hündchen weiter zu Tille und Uli. Das Steh-Knickohr ist sofort ihres.

Ist ja nicht der erste Welpe, den die beiden aus Spanien haben, ihr Podenco begleitet sie ja seit Jahren.
 

 



Romulus - Findelkind mit Steh-Knickohren


 

 

 

Tags drauf kommt ein WOMO-Kollege des Weges, in der Hand ein Foto. Eine Luftaufnahme, die wir sehr aussagekräftig finden.
Nur: Was wir nicht finden: u n s.

Er ist Hobbypilot und mietet sich irgendwo ein einmotoriges Fluggerät, von dem aus er dann Luftaufnahmen macht. So sehen wir endlich mal aus der Vogelperspektive, wie es rund um uns herum aussieht.

 



hier irgendwo stehen wir mit dabei


 

Es ist schönstes Flugwetter, was den Flieger veranlasst, die Aktion zwei oder drei Tage später zu wiederholen. Diesmal hat er uns mit drauf, samt einem Besucher-WOMO.
 



alle drauf - auch Ulla mit Jule oben auf dem Weg


 

Zeitig im Frühjahr blühen auf den Wiesen und Schafweiden jede Menge bunter Blumen.

Da machen kleinere Wanderungen am Meer entlang in Richtung Bolnuevo richtig Spaß, der Weg wird kaum benutzt, er ist für Autos ohnehin fast unbefahrbar, und die wenigen Motocross-Räder hörst du schon von weitem und kannst dich und was dir lieb ist in Sicherheit bringen.

Bolnuevo ist sozusagen der Vorort von Puerto de Mazarrón, aber da geht kein Mensch zu Fuß von hier aus hin. Dennoch wollen wir dort hin...



es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blüh'n...


 

Morgen. Per Roller.

In Puerto de Mazarrón gibt es zwei WOKs, chinesische Selbstbedienungsrestaurants, das eine der beiden hat einen besonders guten Ruf. Dem werden wir folgen.

Wie gesagt: Morgen, denn in einen WOK geht man hungrig; am besten sehr hungrig.
 
   

 

beim WOK